artem Butterfly gegen 3COM Officeconnect a/b/g - Stand:
Im Test treten die Kandidaten: 3COM Office Connect a/b/g
(Firmware 1.15) und Funkwerk (artem) Butterfly (Firmware 2.02)
gegeneinander an. Folgende Schwerpunkte wurden dabei gewichtet und
bewertet:
- Funkreichweite, Antennen
- Benutzeroberfläche und Bedienbarkeit
- Funktionen
- WDS-fähigkeit (Roaming und Repeaterfunktion)
- äußeres Erscheinungsbild und Ausmaße
- Stabilität
Erster Eindruck
äußeres Erscheinungsbild und Ausmaße: (+) 3COM
Zunächst einmal fällt der artem Butterfly wegen seiner geringen Größe
(der Access-Point hat etwa die Größe einer Zigarettenschachtel, auch das
Stecker-Netzteil ist recht klein) positiv auf. Der 3Com kommt im
Standard Office Connect Gehäuse mit Metallchassis und Kunststoffgehäuse
daher. Da man über Design streiten kann: Der 3Com ist trotz seiner Größe
im schlichten weiß sehr dezent - ganz im Gegensatz zum artem, der mit
silbernem Gehäuse und knallig roter, glänzender Frontplatte daher kommt.
Antennen, Reichweite: (+) Funkwerk Butterfly
Der 3COM hat eine feste Antenne für den 802.11a Standard (der
hauptsächlich in den USA eingesetzt wird). In Europa haben die meisten
Karten b (11MBit) oder g (54MBit) Funksender. In Verbindung mit 3COM
Client Hardware erreicht man aber beim 3Com eine Übertragungsrate von
108MBit, da beide Sender angesprochen werden. Der Funkwerk kommt
nur mit einem Funkmodul daher, dafür läßt sich die Antenne abschrauben
und gegen eine externe (zB OMNI) Antenne ersetzen. Damit ist je nach
Antennetyp ein satter Signalgewinn erreichbar. Auch mit der
mitgelieferten Antenne kann der Funkwerk AP klar punkten. Etwa eine
Feldstärke mehr als beim 3Com (das sind ca. 12db) werden erreicht.
Benutzeroberfläche und Bedienbarkeit: (+) 3COM
Beide Geräte haben ein Web-Interface. Der Funkwerk braucht aber etwa 6
Sekunden, bis der Login-Screen erscheint, beim 3Com zeigt es sich
sofort. Die Benutzeroberfläche vom Funkwerk kommt nur in englisch daher,
es gibt keinen Menüpunkt zum Einlesen und Updaten der Firmware (hierzu
muß man ein separates Tool auf einem Windows Rechner installieren). Der
3COM hat mehr Einstellmöglichkeiten. Dafür wird beim Funkwerk die
Pegelanzeige der einzelnen Clients pro Gerät in db angegeben, der 3Com
hat keine Feldstärkenanzeige im Gerät. Die Konfiguration ist bei beiden
einfach, sofern man der englischen Sprache mächtig ist.
WDS-fähigkeit (Roaming und Repeaterfunktion): beide sind Verlierer
Beide Geräte bieten die Möglichkeit, bis zu 4 (3COM) oder 6
(Funkwerk) Geräte per WDS zu einer großen Funkzelle zusammenzuschalten.
Der WDS-Mechanismus funktioniert aber nur mit WEP-Verschlüsselung. Setzt
man WPA-PSK ein, lässen sich die Geräte nicht koppeln. Nur zum
Vergleich: Wenn man 2 Fritzboxen hat und beide Netze WPA-PSK
verschlüsselt, kann die WDS-Kopplung der Geräte mit WPA2 (AES)
Verschlüsselung erfolgen. AVM macht es mal wieder allen vor :)
Fazit hier generell: WDS läßt sich bei keinem Access Point dieser
Priesklasse nutzen. Die größeren Exemplare beider Hersteller
unterstützen hier ein Bridging über jeweils ein eigenes Funkinterface in
den Geräten, sind daher für alle Roamingszenarien geeignet.
Funktionen: (+) 3Com
Beide Geräte können unverschlüsselt, mit WEP und mit WPA-PSK
Verschlüsselung senden. Beide unterstützen die Anbindung an einen
Radius-Server (802.11x) und Authentifizierung über Zertifikate.
MAC-Adressen können ebenfalls in eine Positivliste gesetzt werden.
Stabilität: (+) 3Com
Testumgebung: AVM Fritzbox fon WLAN 7170 (WLAN ist dort ausgeschaltet,
Fritzbox hat aktuelle Software) mit aktiviertem DHCP-Server <-->
3COM-Office Connect Gigabit Switch <--> 3COM oder Funkwerk WLAN Access
Point.
Testclienthardware sind: Thinkpad T42 (Atheros WLAN abg onboard),
Thinkpad X31 (Intel 11b Hardware onboard), Thinkpad R50e (3COM
CardbusKarte abg)
Das 3Com-Gerät lief monatelang ohne Probleme, musste nicht einmal neu
gebootet werden. Mit dem Funkwerk Butterfly zeigten sich bereits am
zweiten Tag Störungen derart, dass Clients (im Wesentlichen Geräte mit
Intel, aber auch mit Atheros Funkhardware) zwar eine Funkverbindung,
aber vom DHCP-Server keine Adresse mehr bekamen. Vergibt man eine
IP-Adresse manuell, funktioniert alles (an einem WPA-PSK-Fehler kann es
also m.E. nicht liegen). Stellt man dann wieder auf DHCP um, läuft die
IP-Abfrage wieder ins Leere. Sobald man dann den artem neu
bootet, bekommt auch der 54MBit-Client schlagartig eine DHCP-zugewiesene Adresse. Solange läuft dieser ins Leere (Meldung
eingeschränkte Konnektivität, IP:0.0.0.0). Der DHCP-Fehler tritt immer
erst auf, wenn z.B. eine Nacht kein Funk-Client verbunden war.
Standard-Konfiguration auf Channel 6, andere Access Points (z.B. von
Nachbarn) sind weiter weg (liefern nur 1 von 5 Feldstärken in der
Windows-Pegelanzeige und liegen auf Channel 1 oder 12). Für professionelle Klein- und
Mittelstandsumgebungen ist es aber wichtig, das die Funkverbindung und DHCP immer funktionieren!
Die "Node" Anzeige in der artem Weboberfläche zeigt übrigens den Client,
der nichts per DHCP bekommt, als aktiv mit IP 0.0.0.0 an, auch dann,
wenn der PC längst aus ist. Im 2-Wochen-Test zeigt der artem den PC
immer noch an (obwohl dieser 2 Wochen aus war). Als Geschwindigkeit wird
110 gelistet (11MBit Karte), als Feldstärke -77 db angezeigt (obwohl das
Gerät aus ist). Schaltet man es an, fliessen auch keine Pakete, nur die
Feldstärke ändert sich. Der Einsatz eines Windows 2003 DHCP-Servers
brachte übrigens keine Abhilfe. Ergo stürzt da irgendwas im artem ab.
Was mir noch aufgefallen ist: Der Aufruf des
Webinterface beim Butterfly dauert bis zum Login screen ca. 6 Sekunden,
beim 3Com erscheint es sofort. Außerdem gibt es mit dem Butterfly
Probleme, wenn man Pakete >50.000 Bytes übertragen möchte. Ein PING -L
60000 funktioniert nicht!
Fazit:
Vom artem Support kommt zum DHCP Problem überhaupt keine Antwort.
Ein Test über einen längeren Zeitraum (3 Wochen) hat Klarheit
geschafft, dass man den Butterfly in einigen Umgebungen (die aber
häufiger vorkommen) nicht störungsfrei einsetzen kann (und
die Ursache des DHCP Fehlers konnte nicht geklärt werden). Ansonsten punktet der
Funkwerk im Wesentlichen mit der größeren Reichweite und der
Wechselantenne. In allen anderen Disziplinen liegt der 3Com klar im
Vorteil. Auch der Preis des 3Com Office Connect liegt niedriger als der
Preis für den Funkwerk Butterfly. Ohne eine Lösung des DHCP-Problems tendiere ich dazu, in
kleineren Umgebungen, wo man mit einem Access Point auskommt, weiterhin
den 3Com Office Connect einzusetzen.