Windows Vista Enterprise Release
ehemals: Windows Codename "Longhorn" - Stand:
Seit der Alpha Version sind nun 3 Jahre ins Land gegangen. Der Artikel beschreibt die wichtigsten Veränderungen und zeigt einige Screenshots der Beta1, Beta2, des Release Kandidaten und der RTM-Version, die offiziell seit Ende Januar 2007 in den Läden ist und bereits seit Ende November 2006 für Volumenkunden zur Verfügung steht.
Erste Einblicke und Erfahrungen
Aktuelles Problem  - Vista kopiert nichts vom Netzwerkshare, wenn Kaspersky auf einem Server läuft:
Wer in seinem Firmennetzwerk auf Windows Servern Kaspersky Antivirus 5.x installiert hat, kann derzeit mit Windows Vista nichts von Netzwerkfreigaben auf die lokale Festplatte kopieren - auch nicht mit Administratorberechtigungen. Der Fehler tritt auch auf, wenn auf dem Vista-System kein Virenschutz installiert ist. Die erweiterten Attribute, die Kaspersky auf dem Server ins NTFS-System schreibt, verhindern ein Kopieren der Dateien, da sie im NTFS des Vista-Systems nicht angelegt werden können. Einziger Workaround: Kaspersky auf dem Server stoppen, Dateien auf ein FAT32-Laufwerk kopieren (und damit die KAV$-Attribute loswerden), Dateien auf den Server zurückkopieren. Kaspersky durch ein anderes Antivirusprodukt ersetzen oder abwarten. Derzeit gibt es vom Hersteller der Antivirensoftware noch keine Lösung, obwohl Vista im Volumenlizenzgeschäft seit Anfang Dezember freigegeben ist. Es bleibt abzuwarten, ob mit einer Vista-kompatiblen Version auch die Attribute auf den vorhandenen Servern so entfernt werden, dass Vista Dateien wieder kopieren kann.

Paketinhalt und Installation:
Die Distribution wird nur noch auf DVD ausgeliefert. Im Gegensatz zu früher gibt es kein I386 Verzeichnis mehr auf der DVD, sondern eine Datei mit einem Windows PE-Bootimage (160MB), sowie einer zweiten Datei mit etwa 900 MB Größe, die die Windows-Installationsdateien enthält. Auf einem Primergy TX150 Server mit Adaptec I2O RAID-Controller und 4x32GB SCSI320 Platten, sowie 2.4GHz XEON und 1Gig RAM habe ich dann die DVD gebootet.
Testinstallationen auch auf dem GWSpadPro (Via Esther 1GHz, 1GB RAM, S3-onchipgrafik) und dem FSC Esprimo Dual Core 3,3, 1GB RAM, NVidia 8800 Grafik und Aero)

Die Installation beginnt nach dem Starten von Windows PE grafisch und fragt nach dem PC-Namen und dem Lizenzschlüssel. Danach startet eine Art abgespeckter Festplattenmanager und fragt nach der Installationspartition.

Wie man unattended installiert, siehe weiter unten. Die Bootdiskette ist aber gestorben. Zu Wahl dehen nur CD&Netzwerkshare, DVD oder Memorystick&Netzwerkshare.

Jedes (auch die Volumen Lizenzen) Vista System MUSS nun online aktiviert werden. Für größere Installationen ab 25 Clients kann man zwar einen Lizenzserver (wie bei den Terminalservices) auf einem Server ab W2003SP1 installieren, aktiviert wird aber trotzdem alle 180 Tage erneut.

Was ist anders?

Selbst in der klassischen Ansicht der Systemsteuerung gibt es keinen Punkt "Software" mehr. Dieser ist nun unter "Programme und Funktionen zu finden. Der Explorer ist auch völlig anders zu bedienen und die klassische Dateiansicht versteckt nun auch den benutzerspezifischen Ordner c:\daten und benennt ihn in \\dokumente um.

Die folgenden Screenshots zeigen ein paar der Veränderungen. Vieles wurde mit grafischem Overhead versehen, der sich aber zum Glück wieder abschalten läßt (meistens jedenfalls). Am besten sieht man das an der neuen Explorer-Darstellung:

Die aus meiner Sicht nennenswerten Verbesserungen beschränken sich auf den Internet Explorer 7 (den es bereits vor Erscheinen von Longhorn auch für Windows xp geben wird). Hier ist wie bei den Mitbewerbern endlich "tabbed browsing" möglich (d.h. mehrere Webseiten auf verschiedenen TAB-Reitern in einem Explorer darstellen:

Außerdem unterstützt der Internet Explorer nun endlich die Darstellung von RSS-Feeds, statt wie bisher nur den XML-Quell-Text anzuzeigen:

Leider wurde kein vollständiger RSS-Feeder eingebaut, denn der Vorteil der RSS-Feeds liegt ja nicht darin, dass man per Browser auf die einzelnen XML-Seiten surft, sondern die ganzen Seiten in eine Liste einträgt und zyklisch Automatisch neue News unter einer Oberfläche empfangen kann. Dafür muß man nachwievor auf Open-Source-Produkte wie z.B. Feedreader zurückgreifen oder Opera benutzen.
Die anderen Features liegen unter der Oberfläche (z.B. dass man eine Art Sicherheits-Sandkasten mit eingeschränkten Rechten aufbauen kann).
Update: In Outlook 2007 ist der vollständige RSS-Reader nun integriert. Wer's leicht mag, verwendet die Darstellung im IE7.

Outlook Express wurde jetzt um eine eigenständige Applikation "Windows Kalender" erweitert, die Grundfunktionen eines Kalenders bietet (Outlook light) und auch das Gemeinsame Nutzen eines Webcalenders ermöglicht. Das Adressbuch von Outlook Express wurde ebenfalls als eigene Applikation freigestellt.

Himmel & Hölle:

Erwartungsgemäß lassen sich Microsoft Programme wie Office&Co installieren und nutzen. Drucker-Installationsskripte in Visual Basic funktionieren hingegen nicht (Es läßt sich weder FreePDF, noch qvPDF installieren). Ganz gefährlich wird es mit Programmen, die systemnah programmiert sind. Zu den Todsünden gehören Nero (Brenner werden nicht erkannt) und Symantec Antivirus (getestet Corporate 10.0). Bei Norton (sofern man ein Upgrade von windows xp wagt) ist dann Schluß mit Lustig und das System fährt nur noch in einen Bluescreen, der sich nur durch manuelles deregistrieren aller Norton-Komponenten im Safe Mode beheben läßt. Mehr siehe Tabelle.

ClearType und Speicherfresser:

Ab Werk kommt Vista mit eingeschaltetem ClearType - wie auch der Internet Explorer 7. Zwar kann man Cleartype auf TFT-Monitoren auch abschalten, da es die ansonsten scharfen Schriften unscharf wirken läßt - jedoch sind die neuen Systemschriften so ausgelegt, dass sie ohne Cleartype absolut Pixelig aussehen und schlecht zu lesen sind. die Standardschriften hingegen sind ohne Cleartype scharf wie bisher.
Meiner Meinung nach ein K.O. Kriterium, denn wer das scharfe Schriftbild ohne Cleartype auf einem Flachbildschirm in nativer Auflösung kennt, möchte sich keine Lesebrille für das unscharfe Bild von Cleartype kaufen.

Hier eine Tabelle der wichtigsten Einschränkungen
Programm Lauffähigkeit unter Vista S
Symantec Antivirus Corporate bis Version 10.1 läuft gar nichts, Version 10.2 funktioniert NUR unter Vista (d.h. mit einem Installationspaket im Deploy W2k, Wxp und Vista zu versorgen, scheitert). Da VErsion 10.2 aber klaglos funktioniert und sich sogar im Sicherheitscenter integriert, grünes Licht  
WISO Mein Geld 2006 Kartenleser-Unterstützung und Datentresor funktionieren nicht. Also nichts mit Onlinefunktionen. Version 2007 kann man nur noch mieten, daher nicht im Test.  
TweakUI läuft nicht mehr. Warnung und dann Hinweis, dass es xp oder 2003 braucht  
VNC Remote Control Egal, welche Distribution (Ultra, Tight, Real). Der Microsoft Defender von Vista nervt mit dauernden Warnmeldungen, dass diese Software unsicher wäre. Schaltet man den Defender db, nervt das Sicherheitszentrum mit dem Hinweis auf Sicherheitsrisiken. Technisch betrachtet funktioniert VNC aber noch, nur das TNA-Icon erscheint nicht mehr.  
CISCO vpn Client Man muss Version 4.8.0.0590 installieren, andere Versionen verweigern die Installation. Allerdings gibt es ein ungelöstes Problem: Zertifikat OK, Auth OK, Benutzername, Passwort eingeben OK, dann kommt eine Fehlermeldung, dass die Policy auf dem VPN-Konzentrator vorschreibt, dass man CISCO lokale Firewall angeschaltet hat. Diese Meldung kommt unter xp nicht, auch nicht mit der o.a. Version. Denke, hier muss CISCO noch nachbessern  
Irfanview läuft ohne Einschränkungen, allerdings funktioniert bei Standardzuordnung der Erweiterungen die Live-Bild-Preview im Explorer teilweise nicht mehr  
Map&Guide Fleetnav 4 CarPC funktioniert, auch die GNS 9833 GPSTMC Hardware wird erkannt. Allerdings hat Windows einen angeblich neueren Treiber parat, der sich aber nicht installieren läßt  
Onscreen-Tastatur (DRE) funktioniert  
Egalax Touchscreen funktioniert nicht richtig, d.h. Hardware wird erkannt und läßt sich kalibrieren, nach einem Neustart funktioniert die Logik aber nicht mehr. Auch etwa 5 Minuten nach Kalibrierung stellt das Touchscreen seinen Dienst ein. Version ist 4.3.7.3321. Update: Workaround des Herstellers, 2 Registry keys verhindern das Einschlafen, nach Standby oder Ruhezustand wird das USB-Touchscreen aber nicht korrekt erkannt und funktioniert nicht. Update: Egalax hat einen Vista-Treiber für April 2007 angekündigt.  
Office 2003 und 2007 funktionieren erwartungsgemäß. Die Installation von Office 2007 dauert auf einem Celeron oder via Esther 1000 mit 512 MB etwa 1 Stunde!  
Acrobat Reader Version 8 funktioniert problemlos  
UMTS Option G3+ Funktioniert mit den alten XP-Treibern problemlos über den Vista RAS-Dienst. Allerdings ist die Bedienung des RAS-Dienstes geändert und etwas umständlicher  
Tobit Client Mit Version 10, Service Pack und Hotfix keine Probleme. Ältere Versionen fraglich  
Spybot 1.4 läßt sich installieren  
Videolan Client läßt sich installieren, funktioniert  
WinAMP 5.32 läßt sich ebenfalls installieren, funktioniert ohne feststellbare Einschränkungen  
Citrix Client keine Probleme mit der aktuellen Version festgestellt  
RDP-Client stellt eine lästige Zusatzfrage, die mit Ja beantwortet werden muss. Abhilfe schafft hier nur, sich für die verschiedenen Server RDP-Dateien anzulegen und bei den Einstellungen diese Warnmeldung abzustellen. Vermutlich wird in Longhorn-Server ein Zertifikat verteilt, das diese Meldung abstellt. Update: Microsoft stellt mit Erscheinen von Longhorn-Server Ende 2007 einen RDP 6.1 auch für Windows xp in Aussicht, der die Nachteile von Version 6.0 kompensiert und auch wieder skriptbar sein soll, sowie die RDP-Dtei auswertet statt der HKCU-Registry.  
Microsoft Fingerprint Reader Zunächst benötigt man Software Version 2.0, die man bei MS herunterladen kann. Dann ist das Ganze unter Vista recht unkomfortabel, wenn man Strg&Alt&Delete erzwingt (wie in Unternehmen auch unter xp üblich). Statt unter xp das Login durch Auflegen des Fingers zuzulassen - trotz CAD-Zwang), wird es unter Vista nötig sein, erstmal Strg&Alt&Entf zu drücken, um überhaupt den Fingerprinter zum Reagieren zu bewegen.  
Kaspersky Antivirus Noch kein Client-Produkt herausgegeben. Schlimmer ist, dass Kaspersky auf einem Windows 2000/2003 Server das Kopieren von Dateien vom Netzwerkshare auf die lokale Festplatte von Vista verhindert (s.o.). Stand März 2007: Noch immer keine Lösung  
MS-Hardware Tastaturen, Mäuse und Webcams - es gibt aktualisierte Treiber seit Mitte März 2007 (sowohl für 32 als auch 64Bit.  

Mein Lieblingsthema: Deploy und Aktivierung.

Am besten, ich vergesse erst einmal alles, was ich über Deploy weiss. Zwar gibt es ein Toolkit von Microsoft, genannt WAIK, das beim Erstellen einer automatischen Installation hilft und wie immer umfangreiche Doku. Wer hat aber ersthaft Lust, sich erst tagelang in die Materie einzulesen.
Die mitgelieferten Assistenten jedenfalls sind weder intuitiv, noch unterstützen sie den Benutzer. Ziel des Assistenten ist es, eine Unattend.xml Datei zu erzeugen - als Antwortdatei für die automatische Installation. Dazu muss man wissen, aus ca. 200 Pekten und 400 Unterschlüsseln, welche der Elemente man auf 6 Rubriken in der rechten Bildschirmhälfte verteilen muss. Ausserdem stehen nur bei Ja/Nein und einigen wenigen Optionen auf der Werte-Seite Comboboxen zur Verfügung. Die meisten Parameter muss man in Klartext eingeben und die Syntax dann Stück für Stück in der Referenz nachlesen. Ob die ProductID mit oder ohne Bindestriche hinterlegt werden muss, bleibt geheim. Jedenfalls läuft die Installation mit hinterlegten Bindestrichen durch, das Produkt läßt sich aber nicht aktivieren. Erst wenn man nach der Installation den Product key auf den gleichen Wert wie in der XML hinterlegt ändert, aktiviert sich das System problemlos.

Vista in einer virtuellen Maschine (Virtual PC 2004/2007):
lässt sich installieren (Install dauert aber 2 Stunden), funktioniert auch - allerdings etwas langsamer als normal  (keine 3D-Grafikkarte in der VM) und die Soundkarte wird auch nicht erkannt. Wer damit leben kann, muss nicht auf Virtual PC 2007 warten (das angeblich zwar auch kostenlos sein wird, aber erst frühestens im März 2007 herauskommt. Minimum physikalischer Speicher auf dem Wirts-PC sind 2 Gigabyte RAM. Die virtuelle Maschine dann auf 1GB stellen.
Update: Mit VirtualPC 2007 läuft Vista in der VM problemlos und mit Sound unter Winxp SP2. Sogar die in Vista integrierte Sprachsteuerung funktioniert so und man kann in ruhigen Räumen Briefe diktieren.

Ausblick/Wünsche:

Wenn man alle bunten Features ausschalten kann, läßt sich das System mit Abstrichen auch auf einem Celeron 1000 mit 512 MB betreiben. Unter 512MB tut sich gar nichts. Ansonsten ist aus meiner Sicht noch nichts darin, was nach einem Major Update aussieht. Die Programmkompatibilität lässt auch noch zu wünschen übrig... Fast bei jeder Software kommt eine Warnung und sie startet entweder gar nicht oder im "Kompatibilitätsmodus".

Fazit:

Nach ausgiebigen Tests der Release-Version von Vista auf verschiedenen Rechner-Systemen und UMPCs formuliere ich meine Empfehlung (Stand 11.1.2007 und 25.3.2007) wie folgt: