Testberichte Office 2007, Visio und Sharepoint Designer 2007
Office 2007 - und alles wird anders - Stand:
Update: Office System 2007 ist inzwischen für Firmenkunden verfügbar. Zum klassischen Office kommen noch die zusätzlich zu erwerbenden Produkte der Suite:
Project Professional 2007, Visio Professional 2007 und Sharepoint Designer 2007. Letzterer ist der Nachfolger von Frontpage 2003 und wird für den Endkunden auch als "Microsoft Expression Web" vertrieben.
Dateiformat: Inzwischen gibt es für die alten "Offices" auch ein Filterpack, mit dem man die neuen DOCX, XLSX usw. XML Dateiformate von Office 2007 lesen kann. Aber wer macht einem Partner klar, dass es sich, um mein Docx Dokument anzusehen, erstmal 28 MB herunterladen und auf seinem System installieren muss. In Unternehmen haben die Meisten sowieso keine Rechte dazu. Damit kann man den Austausch von bearbeitbaren Dokumenten auch erst mal vergessen und stellt das Office am Besten auf Default: Speichere als .DOC usw. Dann muss man in Kauf nehmen, dass jedes Dokument mit der Überschrift "Kompatibilitätsmodus" geladen wird und man einige der neuen Features z.B. in Excel nicht nutzen kann :(

Dieser Bericht liefert einen ersten Überblick und schildert meine Eindrücke mit der aktuellen Office Version 12. Zum Test stand die Beta2-Variante (Version 12.0.4017.1003) und das Release. Microsoft stellt mit dieser Produktversion (Produktname Office 2007) tief greifende Veränderungen als Pflichtprogramm auf. Wer also Office 2007 einsetzen möchte (oder muss), kann viele Dinge komplett neu lernen. Schulungsfirmen werden sich freuen :)

Erste Einblicke
Office kommt auf einer DVD und nimmt gepackt 1,2 GByte ein. Als Rechner wird ein schnelles System mit einer aktiven Grafikkarte erwartet, sonst werden die zahlreichen (meist nicht abstellbaren) grafischen Effekte zur Geduldspartie.

Classic Mode? Nein. Ich habe keinen Schalter gefunden, das Office in einem "Classic Mode" zu betreiben. Allen Anwendern, die einen sanften Umstieg planen, sei dies eine Warnung.

Optische Veränderungen:  Zunächst nur für Word, Excel, Powerpoint, Access. Optisch unverändert (d.h. mit klassischem Menü/Symbolleiste) liegen noch Visio, Publisher, Infopath, OneNote und die Tools (Bildbetrachter etc.) vor. Outlook ist zum Teil mit Standard Menüs, im Sendedialog mit Ribon-Menü. Die Zusatzprogrogramme Visio, Project und Sharepoint Designer tragen ebenfalls klassische Menüs.






 

Dateiformat: Bei allen optisch veränderten Programmen gibt es neue Dateiformate, die nichts mit den alten gemeinsam haben. Während man bei Access erwartet hat, dass ein neues Dateiformat (wie jedesmal) kommt, das nichts mit der Vorgängerversion gemeinsam hat, sind Word und Powerpoint diesmal auch mit von der Partie. Die Programme speichern Dateien als PKZIP-Archiv, das eine Ordnerstruktur aus XML-Dateien enthält. Die Dateiendungen wachsen von drei auf vier Buchstaben: .DOCX, .XLSX, .PPTX. Zwar kann man, wenn man daran denkt, beim Speichern noch das "Office 97 bis 2003) Dateiformat auswählen, diese Einstellung aber nicht zum Standardspeicherformat festlegen.  

RAM-Speicherverbrauch: Die Kernkomponenten verbrauchen in etwa das Doppelte an RAM (z.B. Winword 25 statt 10 MB). Dies mag aber noch daran liegen, dass die Beta-Codes Debugsymbole enthalten. Sicherlich spielt aber auch der "grafische Schnickschnack" hier eine Rolle.

Kompatibilität: Während die o.g. Programme immerhin noch "speichern unter..." im kompatiblen Format beherrschen, so sind mit Outlook 2007 Beta2 KEINE Verbindungen mehr zu einem Exchange Server 5.5 möglich. Es kommt die lapidare Meldung, dass Outlook zur Exchange Version nicht kompostibel ist.


Wo ist das Menü hin? Oben links in der Ecke gibt es einen runden, orangefarbenen Office-Knopf, der in Funktion etwa dem Startmenü-Knopf ähnelt. Ähnlich wie ein Startmenü klappt dann als Pulldownmenü das auf, was vorher statisch die Menüleiste dargestellt hat. Die Untermenüs sind, sofern vorhanden dann in der zweiten Spalte zu sehen.

Aber es gibt auch neue Funktionen (es sei denn, sie waren in Office 2003 zu gut versteckt). Wer Quellennachweise (neudeutsch: Bibliography) nach genormtem Format (z.B. bei medizinischen Abhandlungen) in Word erzeugen muss, braucht nicht mehr den "Reference Manager" als Zusatzprodukt zu kaufen. Unter "References" findet sich in Word 2007 sowohl "Citation", als auch ein Combofeld "Bibliography".
Manche Formatierungen gehen über die neue Symbolleisten-Strukturierung schneller von der Hand, da die Symbole nun in einer Art "tabbed toolbox" angeordnet sind.

Die meisten Einstellungen werden als "Sofort-Preview" in dem Moment anzeigt, wo man mit der Maus drüberfährt (Schriftartliste = das Dokument ändert sich sofort, Tabelle: es wird eine Tabellenvorschau im Dokument angezeigt). Außerdem kann man sich eine Art "karierten Block" als Raster hinter die Seite legen (grid).

In Excel gibt es wesentlich ansprechendere Charts - teilweise fast fotorealistisch. Das hat man zwar vorher auch hinbekommen, allerdings musste man den Spezialeffekt durch Farbverläufe von Hand einstellen. Nun gibt es fertige Templates, die man benutzen kann. Also schneller...

Die Umgewöhnung gestaltet sich aber schwierig für jemanden, der schon mal mit anderen Office Versionen gearbeitet hat. Gerade das Hauptargument von Microsoft "man findet alles schneller" greift nicht, da man in der neuen Struktur die passenden Stellen erst mal suchen muss, die im alten Menü bekannt waren.

Bei Visio bemerkt man bis auf das etwas andere Design (die Shape-Fenster haben keinen grünen Hintergrund mehr) keine optischen Veränderungen. Ich denke, der Teufel steckt hier im Detail.

Der Sharepoint Designer 2007 (aka Microsoft Expression Web) und somit Frontpage Nachfolger ist in der Release-Version nun ein richtiger Schritt nach vorne und Frontpage durchaus vorzuziehen, weil
a) er per Mausklick CSS-Styles im Dokument anwenden kann
b) die Elemente als Werkzeugboxe wie im Visual Studio angeordnet sind
c) eine W3C-Prpfung des Quelltext in Echtzeit erfolgt
d) man endlich gescheit XML editieren kann
e) die Automatische Dokumentformatierung verbessert wurde und nun auch CSS unterstützt.

Deployment und Unattended Installation, Aktivierung:

Endlich mal etwas Positives. Das Deployment von Office ist wirklich verbessert. SETUP.EXE /admin enthält nun den Office Customizazion Wizard, der mehr Einstellungen beherrscht und seinem Namen "Assistent" voll gerecht wird. Ausserdem sind alles Office Pakete incl. Project, Visio, SharepointDesigner... modular aufgebaut und lassen sich in EINE Struktur mit einem setup integrieren. Für ein einzelnes Modul benötigt man dann nur immer zwei Ordner (.ww und .DE-DE). Die Office Basisstruktur bleibt für alle gleich. Für zusätzliche Sprachen kommt ein weiterer Ordner dazu (.EN-US). Der Assistent erstellt ca. 15 MB große .MSP Dateien, die dann mit SETUP /Adminfile aufgerufen werden können und unattended Setup erlauben.
Select und Volumen Versionen müssen nachwievor nicht online aktiviert werden, allerdings unterscheiden sich die Binaries von den Retail Versionen, so dass man eine Retail Version nicht durch Eingabe eines VL-Keys zu einer aktivierten Version machen kann.

Fazit

Nachdem ich mich zunächst fürchterlich darüber aufgeregt habe, dass Office 2007 keinen "Classic Mode" mehr hat und völlig anders zu bedienen ist, habe ich mein Urteil nach einigen Monaten intensiver Nutzung relativiert: